Suedafrka: Schwarz bedeutet: weiter arm und ausgebeutet zu sein (2.Bericht)

Dienstag wurde ich unmittelbar Zeuge, wie es um das Leben der grossen Mehrheit der schwarzen Bevoelkerung realiter bestellt ist - trotz der (formalen) Abschaffung des Apartheid-Systems.

Ein Freund fuehrte mich in das Beratungszentrum fuer Wohnungsfragen, das von der KP Suedafrikas unterstuetzt wird (sofort schoss mir dabei die Taetigkeit von Josef Iraschko und seiner Mieterberatung in Wien durch den Kopf). Das Zentrum befindet sich in einem kleinen Raum in einer Kirche der Methodisten. Dort sassen 5 schwarze Frauen und berichteten von der gerade stattfeundenen gewaltsamen Delogierung von 89 Familien. Den Familien gehoeren die Wohnungen, aber das undurchsichtige System immer neuer "Abgaben" diente als Vorwand fuer die Raeumung. Diese ging extrem brutal ueber die Buehne. Eine Organisation namens "Red Ants" (Rote Ameisen) nahm sie vor - gemeinsam mit einer jugendlichen Schlaegerbande. Es wurde gepluendert und Pefferspray gesprueht- wobei ein vier Monate altes Baby zu Tode kam!

Die Frauen erzaehlten, dass sie und ihre Familein nunmehr auf der Strasse sitzen und auf Solidaritaet angewesen sind. Ich erfuhr, dass sich es sich bei diesem beschaemenden Ereignis um keinen "Einzelfall" handelt, sondern Teil von systematischen Bestrebungen ist, arme Schwarze aus dem Stadtinneren von Johannesburg hinauszuekeln.

Bereits am Montag besuchte ich das Apartheid-Museum in Johannesburg. Es gibt einen ausgezeichneten Einblick in die Geschichte Suedafrikas, das entsetzliche Apartheid-System und den Befreiungskampf. In einer Sonderausstellung wird derzeit das Wirken Mandelas gezeigt. Man/ frau erfaehrt viel ueber die verschiedenen Phasen des Befreiungskampfs und unterschiedliche politische Stroemungen (mit grosser Freude registrierte ich, dass auch der revolutionaere Marxist Neville Alexander, der gemeinsam mit Mandela im Gefaengnis sass, erwaehnt wird).

So toll die Ausstellung ist, so offenkundig sind auch ihre politischen Grenzen. Sie endet mit einer Tafel, auf der es heisst, dass ein "Triumph des menschlichen Willens" stattgefundet hat. Diese liberale Sichweise blendet gaenzlich aus, dass der ueberwiegende Teil des oekonomischen Unterbaus des Apartheidsystems (inbesonders was die extraktiven Industrien betrifft) weiterexistiert. Schwarz zu sein bedeutet auch heute in den meisten Faellen arm und ausgebeutet zu sein - wie die oben geschilderte gewaltsame Raemung zeigt.

                               Hermann Dworczak (0043 / 676 / 972 31 10)

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