Südafrika: Armut - Kriminalität - Fremdenhass (3.Bericht)

Der Armut in Sudafrika begegnet man/ frau ueberall. Nicht "nur" in den Townships, ebenso in den Staedten. Im Zentrum Johannesburgs wird gebettelt: vor den meisten fast food shops, vor Hotels, aber auch direkt vor der landesweiten Zentrale des Gewerkschaftsbunds Cosatu. Im zentral gelegenen Stadtteil Braamfontein begegne ich den ganzen Tag ueber "Stirlern", also Armen, die die Mistkuebel nach fuer sie brauchbaren Resten durchsuchen.

Auch fuer viele, die einen relativ fixen Job haben, ist die Lage trist: in dem kleinen Hotel, in dem ich wohne, bekommt der Rezeptionist 4500 Rand monatlich also knapp 300 Euro. Er erzaehlt mir, dass es "in der Monatsmitte sehr eng wird. Ich muss mich dann um zusaetzliche Arbeiten umschauen."

Bei einem Besuch des historisch interessanten Friedhofs von Johannesburg (er hat auch einen eigenen juedischen Teil) mache ich eine aehnliche Erfahrung. Der dortige -private- Sicherheitsbeamte  verdient im Rahmen einer 5-Tage-Woche  monatlich 3000 Rand (bei zusaetzlichen Sonntags- oder Feiertagsdiensten etwa 3500 Rand). Dem Ort angepasst liesse sich sagen: zuwenig zum Leben, zuviel zum Sterben.

Das Elend fuehrt dazu, dass Suedafrika weltweit ganz oben in der Tabelle der Kriminalitaetsrate liegt. Donnerstag erlebte ich eine typische Szene live. Die nach jahrelanger Internierung in den USA freigelassenen "Cuban 5" besuchen als erstes Land Suedafrika. Auf meinem Weg zu der Soli-Veranstaltung mit ihnen im wegen seiner "Modernitaet" und "Entwicklung" hochstilisierten Stadtteil Newtown umringt am spaeteren Nachmittag ein Gruppe juenger Maenner einen schwarzen, etwas besser gekeideten Mann, der mit einem Koffer Richtung Bahnhof geht, um ihn auszurauben. Nur weil zuviele Passanten da sind und einige dem Bedrohten helfen, kann dieser entfliehen...

Die strukturelle Armut liess auch massenhaft Fremdenhass ins Kraut schiessen. Sowohl auf der WAPE- Konferenz als auch in Seminaren in der Cosatu oder den Bildungszentren der Gewerkschaften wird der Hass auf den "anderen" Schwarzen zur Sprache gebracht: Suedafrikaner gegen Menschen etwa aus Tansania, verschiedene Provinzen gegeneinander, ja eine Stadt, ein Dorf gegen die/das andere!

In einem Gewerkschaftsseminar, in dem es insbesonders um Ausbildungsprobleme fuer junge, weibliche Schwarze geht, sagt ein Diskussionsteilnehmer treffend hinsichtlich der hier angerissen Probleme: " Ja, es hat nach 1994 einige Verbesserungen gegeben. Aber nach wie vor wird unser Land von 4 Familien kontrolliert".

            Hermann Dworczak (0043 /676 / 972 31 10)

 

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