Südafrika: POLITISCHE STRÖMUNGEN DER LINKEN (5.Bericht)

Mittwoch der 1. Juli war ohne Zweifel der politisch interessanteste Tag meines Aufenthaltes in Johannesburg. Die Vereinigung der SoziologInnen Suedafrikas hielt eine Konferenz auf der Universitaet von Johannesburg unter dem Titel "Konturen der Gewalt" ab. Am Ende der Konferenz fand eine Podiumsdiskussion statt, an der verschiedene Vertreter der neuen Linken des Landes teilnahmen.

Fuer die Economic Freedom Fighters (EFF), die bei den letzten Parlamentswahlen rund 6 Prozent der Stimmen bekamen, ergriff Mbuyiseni Ndlozi das Wort. Er definierte sich im Rahmen der marxistisch-leninistischen Tradition und des antikolonialen Diskurses von Franz Fanon ("Die Verdammten dieser Erde"). Er rechtfertigte den Bruch mit dem ANC wegen dessen buergerlicher Ausrichtung und charakterisierte die EFF nicht als "blosse Bewegung, sondern als Partei". Ziemlich triumphalistisch und garniert mit einigen populistischen Schlenkern erwaehnte er die Zahl von "1,1 Millionen WaehlerInnen" und behauptete, dass die EFF bereits im ganzen Land verankert waeren. Mehrmals unterstrich er, dass wir dem "ANC Aug in Aug bei Wahlen auf allen Ebenen gegenueberstehen werden".

Trevor Ngwane kann man/ frau am ehesten als radikalen Syndikalisten bezeichnen. Er betonte, dass mit dem Massaker von Marikane eine politische Wende in Suedafrika eingeleitet wurde. "Es ist Zeit mit der Klassenkollaboration Schluss zu machen, die auch von Mandela betrieben wurde". Der Schwerpunkt seiner Ausfuehrungen lag auf "Intensivierung und Zusammenfuehrung der Kaempfe". "Wir brauchen nicht zuerst das Programm, sondern harte Arbeit an der Basis, unter den Massen". Und mit unueberhoerer Spitze gegen seinen Vorredner: "Schon gar nicht brauchen wir einen "Messias"! ".

Die differenzierteste Analyse kam von John Appolis, dem Kampagnen-Koordinator der United Front. Auch er unterstrich den Bruch, der mit Marikane eingetreten ist, betonte jedoch, dass es einige "zentrale Fragen zu klaeren gilt". An der EFF kritisierte er deren Schwerpunktsetzung auf Wahlbeteiligung und die Geringschaetzung der Frage der Demokratie. Hinsichtlich NUMSA fuehrte er aus, dass dort "mitunter mit Kategorien des 20. Jahrhunderts gearbeitet wird. Aber der Kapitalismus von heute ist nicht mehr der von Lenin und Trotzki". Er sprach von Fortschritten der United Front, aber "es mangelt noch immer an einer festen Verankerung in der -beschaeftgten  und nicht beschaeftigten- ArbeiterInnenklasse und auch die meisten Kaempfe in den communities verlaufen fragmentiert". Conclusuio aus all dem: "Keine politischen Kurzschluesse, zaehe , geduldige politische  Arbeit- wenn wir das nicht machen, droht uns das comeback der "starken Maenner".

               Hermann Dworczak (0043 / 676/ 972 31 10)

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