Suedafrika: RESUMEE (6.Bericht)

Nach 14 Tagen in Johannesburg gilt es Bilanz zu ziehen- selbverständlich vorsichtig, denn ein 2-Wochen-Aufenthalt reicht nicht, um die Komplexheit des Landes zu erfassen.

Die 10.Wape-Konferenz ermöglichte einen sehr guten Einstieg in die strukturellen Probleme des Landes: offiziell gibt es rund 37 Prozent Arbeitslosigkeit, der enorme Reichtum des Landes (Gold, Diamanten,  Platin,....) ist total ungleichmäßig verteilt, die ueberwiegende Mehrheit der schwarzen Bevölkerung verharrt auch nach der Beseitigung des rassistischen Apartheid-Systems in Armut- nur einer kleinen "Mittelschicht" ist es gelungen "nach oben " zu klettern bzw. einige Schwarze sind nunmehr Teil des oekonomischen und politischen Top-Establishments.

Anders wie bei sonstigen WAPE-Konferenzen standen die Probleme des Gastgeberlandes diesmal ganz im Zentrum: ueber aktuelle Entwicklungen in China erfuhr man/ frau diesmal ziemlich wenig. Die nächsten Stationen der WAPE sind: 2016 Suedkorea oder Indien; 2017 Rußland (100 Jahre Oktoberrevolution); 2018 Deutschland (in Erinnerung an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht).

Das anfängliche Bild, das ich von Südafrika vermittelt bekam, erhielt durch zahlreiche Gespräche, Rundgänge durch die Stadt und Teilnahme an diversen Konferenzen zunehmend schärfere Konturen. Ich wollte nicht heimfahren ohne mich nochmals nach dem Schicksal der zwangsweise delogierten Familien (siehe Bericht 2) zu erkundigen. In dem Wohnungsberatungszentrum erfuhr ich, daß diese durch gemeinsames Erstürmen ihrer Wohnungen (!) derzeit wieder ein Dach über dem Kopf haben. Die Behörden hatten ihnen bloß die kalte Schulter gezeigt...

Die zentrale Crux ist -wie in vielen anderen Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas-, daß nunmehr zwar formale Gleichheit vor dem Gesetz herrscht, daß jedoch nichts/ kaum etwas an den traditionellen sozio-ökonomischen Strukturen geändert wurde. Der "historische Kompromiß", der 1994 zwischen den weißen Eliten (sprich dem enheimischen und internationalen Kapital bzw. ihren Vertretern ) und der ANC-Führung geschlossen wurde, garantierte auch, daß selbst der schreckliche Staatsapparat weitestgehend intakt blieb!

Obwohl diese Faktenlage offenkundig ist und die gesamte Geschichte der Befreiungsbegungen Afrikas nach dem 2.Weltkrieg zeigt, daß unter Führung (klein)buergerlicher Kräfte keine umfassende Resurrektion des Landes erfolgen kann, hält die stärkste Kraft der südafrikanischen Linken, die KP Südafrikas (SACP), eisern an dem Modell der "nationaldemokatrischen Revolution " fest (jetzt nationale Demokratie, später mal Schritte in Richtung Sozialismus...).

Auf Schritt und Tritt erfährt man/ frau in Suedafrika über die bleierne Last der Armut oder die riesige Korruption, die den ANC durchzieht. Seit der Massaker an Minenarbeitern in Marikana 2012 ist nicht nur die Zahl an Widerstandsaktionen stark gestiegen (von spontanen, sogenannten "popcorn protests" bis hin organisierten gewerkschaftlichen oder community-Kämpfen), sondern auch der Wille immer stärker geworden, dem Widerstand in all seinen Formen einen politischen Ausdruck zu verleihen. Der Weg zu einer linken, undogmatischen Partei ist jedoch schwierig und kann nicht "abgekürzt" werden. Die wichtigsten Schritte in Richtung Zusammenfassen der Kämpfe und Bewegungen mit Perspektive späterer Parteigründung erfolgten bislang durch die Metallergewerkschaft NUMSA und das Projekt "United Front". Man/ frau kann mehr als gespannt sein, wie die weitere Entwicklung verläüft. AMANDLA!

           Hermann Dworczak (0043 / 676 / 972 31 10)

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