WSF: WELCHE ALTERNATIVEN SIND MÖGLICH? - 2.BERICHT

meninasalvadorgrafiteNach der beindruckenden Demo am Dienstag nahm das WSF am Mittwoch  seine inhaltliche Arbeit auf.  Auf dem riesigen Gelände der Föderalen Uni von Bahia (UFBA) findet eine Unzahl von Veranstaltungen statt. Ich hatte gerade Zeit für 3 von ihnen.

Bei der ersten ging es um "neue Paradigmen", um "das ökologische Desaster zu vermeiden und eine Gesellschaft des guten Lebens/ bien vivir zu schaffen". In einem grundsätzlich angelegten Beitrag setzte sich Edgardo Lander von der Universidade Central da Venezuela mit dem Extraktivismus - also dem Gesellschaftsmodell, das vor allem auf der Ausbeutung der Bodenschätze beruht - und dessen katastrophalen Folgen für Mensch und Natur auseinander. Extraktivismus hat nicht bloß eine ökonomische Dimension, er durchdringt alle Strukturen und Poren der Gesellschaft: er schafft spezielle Hierarchien und Abhängigkeiten (insbesonders vom Weltmarkt und dessen internationaler repressiver Arbeitsteilung), er prägt die zwischenmenschlichen Beziehungen, er geht insbesonders zu Lasten der Indigenen. Lander schilderte - ebenso wie andere RednerInnen -, daß die progressiven Regierungen Lateinamerikas das Modell des Extraktivismus weitgehend und unkritisch übernommen haben - mit dem Argument, damit Sozialreformen finanzieren zu können.

Während Landers Analyse stringent ausfiel und bündig dargelegt wurde, dass es zu keiner Diversifizierung der Wirtschaft kam, blieb die Schilderung des Auswegs aus dem Schlamassel der  Länder der Dritten Welt ziemlich matt.

Im Anschluß gab ich mir ein Interview, das Leo Gabriel mit Marco Arruda, einem führender Vertreter der "Solidarökonomie" machte. Arruda legte dar, daß es angesichts der zahllosen Krisen des Kapitalismus nicht angeht, zu "warten", sondern dass es schon jetzt um die Schaffung von (Ansätzen von) Alternativen in möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen - von der Wirtschaft bis hin zur Kultur - geht. Zu kurz kam für meinen Geschmack die Frage der Aushebelung des repressiven, bürgerlichen Staates, der ja völlig quer zu all diesen Initiativen steht.

Die dritte Veranstaltung war der Erinnerung an Francois Houtard gewidmet, der 2017 verstorben  ist.  Houtard war ein bedeutender linker Theoretiker, aber ebenso ein glühender Aktivist auf allen Kontinenten - auch im Rahmen des WSF.

Weitere Berichte folgen.

 

      Hermann Dworczak (Austrian Social Forum/ ASF; Prague Spring 2; 0043 / 676 / 972 31 10 )

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