NOTIZEN AUF DEM WEGE ZUR KOFERENZ DER POLITISCHEN ÖKONOM_INNEN IN BRASILIEN

Auch heuer nehme ich - zum vierten Mal - an der Jahreskonferenz der WAPE (World Association of Political Economy) teil. Die WAPE ist in ihrem Kern eine Organisation von – relativ - undogmatischen MarxistInnen aus China, Japan und den USA. Aus Österreich sind von Anfang an Peter Fleissner und Josef Baum dabei. Diesmal findet die Tagung in Florianopolis im südlichen  Brasilien statt.

Um nicht gleich nach dem Zentral- und Osteuropäischen Sozial- und Umweltforum (Wien 2.-5. Mai) in die nächste Konferenz hineinzuplatzen, mache in Rio einen dreitägigen Zwischenstopp. Der Papst-Besuch im Juli, die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 bzw. die Olympiade 2016 werfen einen deutlichen Schatten voraus. U.a. werden  historisch wertvolle Gebäude renoviert, das legendäre Maracana-Stadion wurde einer Generalsanierung unterzogen. Inwieweit die  jetzigen Investitionen auch breiteren Schichten zu Gute kommen,  wird sich erst weisen müssen. Die Olympiade in Athen vor einigen Jahren hat „Kathedralen in der Wüste“ produziert - also keinerlei „Nachhaltigkeit“.

Die - sozialdemokratische -  Nachfolgerin von Lula, Dilma Roussef, wird in den Medien des öfteren als die „mächtigste Frau nach Merkl“ tituliert. Die linke Wochen-Zeitung  „Brasil do fato“ wirft ihr eine „Schaukelpolitik“ vor. Da wird einerseits seitens der Regierung in Abrede gestellt, dass die „bolsa de familia“ (eine Sozialleistung für arme Familien) vor dem Auslaufen steht, andererseits geht bei der Agrarreform nichts wirklich weiter (was der MST immer und immer wieder unterstreicht) und laufend gibt es „Initiativen“ in Richtung Privatisierung: im Erdölbereich, bei den Häfen usw. Und die Regierung plant auch die Arbeitszeiten weiter zu „flexibilisieren“...

Die Hoffnungen auf tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen, die einst mit Lula verbunden waren, sind längst verflogen. Die PT („Arbeiterpartei“) verwaltet - wie hierzulande - im Bündnis mit bürgerlichen Parteien den Kapitalismus- gemildert durch sozialreformerische Maßnahmen, die jedoch nichts grundsätzlich ändern - vielmehr Millionen im Status von „staatlichen Almosenempfängern“ fixieren.

Die  zweitägige WAPE-Konferenz beginnt morgen Samstag den 25. Mai auf der staatlichen Universität Florianopolis im Bundesstaat Santa Catarina- nicht allzu weit von Porto Alegre entfernt, der Stadt in Rio Grande do Sul, in der vor mehr als einem Jahrzehnt das Weltsozialforum gegründet wurde.

Weitere Berichte folgen.

 

Hermann Dworczak (0043 / 676 / 972 31 10)

 

Terminkalender

Januar 2021
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Newsletter