Blockupy Frankfurt: Sie wollen Kapitalismus ohne Demokratie, wir wollen Demokratie ohne Kapitalismus

Blockupy 2013 – das waren intensive und kraftvolle Tage der gemeinsamen Aktion und des gemeinsamen
Widerstandes. Wir haben am Freitag mit mehr als 3.000 Aktivist_innen die Zugänge zur Europäischen
Zentralbank blockiert und damit ‐ wie angekündigt ‐ den Widerstand in das Herz des europäischen
Krisenregimes getragen.

Wir haben danach in vielfältigen ungehorsamen Aktionen deutlich gemacht, wie die Krisen‐ und Verarmungspolitik in unser Leben und in das Leben von Millionen Menschen auf der Welt eingreift:
durch die Ausbeutung und die tödlichen Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie, durch prekäre
Arbeitsverhältnisse und Armutslöhne in Europa, durch die schmutzigen Geschäfte der Deutschen Bank mit
Rüstung, Land‐Grabbing oder Nahrungsmittelspekulation, durch die Abwälzung von Sorge‐, Pflege‐ und
Reproduktionsarbeit ins Private und die damit verbundene Verschärfung der Geschlechterungleichheit,
durch die Vertreibung von Menschen aus ihren Wohnungen (mit Zwangsräumungen, Luxussanierung und
Privatisierung öffentlicher Wohnungen) oder durch die gnadenlose und tödliche Migrations‐ und
Abschiebepolitik der EU.

Wir kamen in einem großartigen Camp zusammen, das nicht nur Unterkunft bot, sondern zum Ort der
Begegnung, des Austauschs und der Planung von Aktionen von Aktivist_innen nicht nur aus Deutschland,
sondern aus Italien, aus Belgien, Dänemark, den Niederlanden, aus Spanien, aus Griechenland, aus
Österreich und aus vielen weiteren Ländern geworden ist.

Der Angriff der Polizei auf die große internationale Demonstration – mit über 20.000 Aktivist_innen –   am
Samstag hatte die Absicht, diese Erfolge wieder zunichte zu machen und das Bündnis zu spalten. Die
Verantwortlichen für diesen Angriff – allen voran der hessische Innenminister und der Frankfurter
Ordnungsdezernent, beide aus der Partei Angela Merkels – konnten nicht ertragen und zulassen, dass eine
große und internationale Demonstration direkt an der EZB vorbeizieht. Sie wollten dies schon im Vorfeld
durch Verbote verhindern, sind aber vor Gericht gescheitert. Daraufhin haben sie diese Urteile einfach
unterlaufen und damit deutlich gezeigt, was ihr Gerede von Demokratie und Rechtsstaat wert ist. Die
Gefahr, dass ein paar Farbspritzer die Fassade der EZB erreichen könnten, war ihnen Anlass genug, die
Versammlungsfreiheit auszuhebeln und mehr als 300 Menschen durch Schläge, Tränengas und vor allem
Pfefferspray zum Teil schwer zu verletzten.

Mit dem Angriff auf unsere Demonstration sollte die Bewegung demoralisiert und gespalten werden. Sie
haben wirklich gedacht, sie könnten 1000 Aktivist_innen aus dem antikapitalistischen Block an der Spitze
der Demonstration einkesseln und die anderen Blöcke würden einfach auf jener Route, die die Polizei
schon immer gewollt hatte, weiterlaufen. Damit haben sie die Solidarität und die Einigkeit unter den
Bündnispartner_innen und unter den Aktivist_innen völlig unterschätzt. Wenn die Polizei einen Teil
unserer Demonstration angreift, dann greift sie uns alle an.

Niemand ist auf ihr absurdes Angebot, die Eingekesselten und Angegriffenen im Stich zu lassen,
eingegangen. Tausende sind bis spät in den Abend geblieben und haben sich bis zum Schluss mutig der
Polizei entgegengestellt. Es ist diese gemeinsame Erfahrung des Mutes und der Solidarität im Angesicht
der Polizeigewalt, die unser Bündnis und unsere Bewegung noch enger zusammengebracht hat. 
Blockupy hat einen wichtigen politischen Erfolg errungen. Der Angriff auf unsere Demonstration ist zur
politischen Niederlage für das Innenministerium und die Vertreter_innen der autoritären Krisenpolitik
geworden. Wir sind entschlossen, weitere Aktionen an der Europäischen Zentralbank vorzubereiten,
diesem frei liegenden Nerv des europäischen Krisenregimes, wo Proteste so offensichtlich wehtun und
unerwünscht sind.

Es ist überflüssig, dass wir auf die Lügen und Rechtfertigung der Polizei und des hessischen
Innenministeriums im Einzelnen eingehen. Das geschieht in der Öffentlichkeit und von vielen Seiten
bereits. Alle, die am 1. Juni auf der Straße waren, wissen: Der Angriff der Polizei findet keinerlei
Rechtfertigung in dem Verhalten der Demonstrant_innen. Der Stopp der Demonstration und die
Einkesselung waren politisch gewollt und angeordnet. Es gab niemals die Absicht, unsere Demonstration
auf der gerichtlich bestätigten Route laufen zu lassen.

Repression und Polizeigewalt sollen Stärke demonstrieren, aber in Wahrheit decken sie die Nervosität der
herrschenden Krisenpolitik auf, die sich immer weniger demokratisch legitimieren lässt und immer mehr
autoritär durchgesetzt werden muss. Der Widerstand gegen die sozialen Folgen der Krisenpolitik, gegen
die Verelendung und die Hoffnungslosigkeit, in die dadurch Millionen Menschen gestürzt wurden, und der
Widerstand gegen die Beschneidung demokratischer Rechte sind nicht voneinander zu trennen, sondern
gehören unmittelbar zusammen. Sie wollen Kapitalismus ohne Demokratie, wir wollen Demokratie ohne
Kapitalismus.

Wir grüßen alle Aktivist_innen in allen Ländern, die in diesen Tagen auf den Straßen sind und waren. Wir
senden insbesondere solidarische Grüße an unsere mutigen Freund_innen in der Türkei. Euer Kampf ist
auch unser Kampf.

Wir sind bei den Aktionstagen von Blockupy 2013 unserem Ziel, Teil einer großen, gemeinsamen
europäischen und globalen Bewegung zu werden, einen weiteren Schritt näher gekommen. Auch auf
diesem Weg werden wir weitermachen und die Diskussionen und die gemeinsame Aktionen mit unseren
internationalen Freund_innen fortsetzen und intensivieren.

BLOCKUPY gibt das Versprechen, dass im Herzen des europäischen Krisenregimes, in Deutschland und
speziell in Frankfurt, keine Ruhe einkehren wird, sondern dass unsere Aktionen weitergehen werden. Wir
werden in Kürze zu gemeinsamen Beratungen einladen, um einen große internationalen und
partizipativen Vorbereitungsprozess für die Mobilisierung gegen die geplante Eröffnung der neuen EZB
2014 einzuleiten.

Blockupy Koordinierungskreis, 5.6.2013

www.blockupy‐frankfurt.org | kontakt@blockupy‐frankfurt.org

Wir brauchen Geld für die Rechtshilfe und für weitere Aktionen!
Spenden bitte an: Friedens‐ und Zukunftswerkstatt | Verwendungszweck: “Spende Krise Ffm”
Konto‐Nr.: 200337319 Bank: Frankfurter Sparkasse BLZ: 50050201

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