12. Februar 1934 - WAS SAGT ER UNS HEUTE?

Am 12. Februar und in den Tagen danach haben sich österreichische ArbeiterInnen mutig mit der Waffe in der Hand gegen den Austrofaschismus zur Wehr gesetzt. Und das nach einer langen Phase der "Rückzugs"- sprich der Kapitulationspolitik der sozialdemokratischen Führung.

Auf Grund dieses demoralisierenden "Zurückweichens" vor dem entschlossenen bürgerlichen Gegner, des ungleichen Kräfteverhältnisses und falscher – militärischer - Taktik (der spätere Bundespräsident Theodor Körner plädierte damals vergeblich für eine Art "Guerilla"-Vorgangsweise: die gesamte Arbeiterschaft sollte kämpfen - nicht nur ihr militärischer Arm, der Republikanische Schutzbund) kam es zur Niederlage. Die siegreichen Austrofaschisten, die aus dem christlichsozialen Lager (also der Vorgängerpartei der ÖVP) kamen, errichteten eine brutale Diktatur (u.a. mit dem "Anhaltelager" Wöllersdorf) und ebneten damit dem Einmarsch Hitlers 1938 den Weg.

Ich das alles nur für Geschichtsbücher, Vergangenheit?

Nein - es ist hochaktuell! Der Februar 34 zeigt, dass in Zeiten der tiefen Krise des Kapitalismus nicht mehr über die bürgerliche, parlamentarische Demokratie geherrscht wird: diese wird vielmehr systematisch abgebaut- bis hin zu Militärdiktaturen und Faschismus.

Da mag der Einwand kommen: ja in der Vergangenheit- aber heute?

Vergessen wir nicht, dass in Portugal und Spanien Salazar und Franco auch nach dem Zweiten Weltkrieg mit Unterstützung des "Westens" weiterregieren konnten; dass es in Griechenland von 1967 bis 1974 eine Militärdiktatur gab - mit KZ-Inseln; und dass heute vor dem Hintergrund eines erneut schwer in die Krise geratenen Kapitalismus und der perspektivlosen Politik der Führungen der traditionellen ArbeiterInnenparteien und Gewerkschaften überall in Europa (und weltweit-in den USA die "Tea Party") rechtspopulistische, ja offen faschistische Kräfte ihr Unwesen treiben. Man denke nur an die Mörderbande "Goldene Morgenröte" in Griechenland- die über beste Beziehungen zur "offiziellen Politik" verfügt.

Wir können Gift darauf nehmen, dass das internationale Kapital, das jetzt über die Troika die griechischen Massen knechtet, im "Falle des Falles " auch wieder auf die faschistischen Büttel zurückgreifen wird.

"Versöhnung"?

Vergegenwärtigt man sich die Fakten, besteht für "Versöhnung" (z.B. gemeinsame Kranzniederlegung von Faymann und Spindelegger auf dem Wiener Zentralfriedhof) keinerlei Anlass. Bei der ÖVP hängt das Bild des Arbeitermörders Dollfuß, der 1934 sogar den Einsatz von Giftgas (!) in Erwägung gezogen hat, noch immer im Parlamentsklub. In Ungarn regiert Orban, der mit den antisemitischen Rechtsextremisten von Jobbik packelt - er und seine Partei sind nach wie vor Mitglied der Europäischen Volkspartei.

Statt Zukleistern der Geschichte und Anbiedern an das Kapital und ihre bürgerlichen Parteien ist Lernen aus der tragischen Vergangenheit angesagt: nicht zuletzt, dass internationale Solidarität für die ArbeiterInnenbewegung unabdingbar ist. Solidarität mit denen, die sich gegen Sozialabbau und drohende rechtsextreme, faschistische Gefahr zur Wehr setzen. Und das heißt heute vor allem:

SOLIDARITÄT MIT DEM WIDERSTAND IN GRIECHENLAND!

 

Hermann Dworczak (0676 / 972 31 10)

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