Lisbeth N. Trallori DER KÖRPER ALS WARE - Feministische Interventionen (Rezension)

Cover: Der Körper als WareDie dem Kapitalismus immanente Notwendigkeit sich immer neue Investitionsfelder schaffen zu müssen, macht auch vor dem menschlichen Körper nicht halt. Lisbeth. N. Trallori hat darüber ein urspannendes und wissenschaftlich fundiertes Buch geschrieben.    

Nicht die bloße "Gier", sondern der dem Kapital innenwohnende Zwang, sich permanent verwerten zu müssen, macht vor nichts halt: nicht vor der Bildung, nicht vor der Gesundheit - demzufolge auch nicht vor dem menschlichen Körper, den er zur bloßen Ware degradiert.

Drei Faktoren sind dafür maßgeblich verantwortlich: die Verwissenschaftlichung des Körpers und seiner Teile/ Substanzen, die neoliberale Durchökonomisierung der Gesellschaft und die Konstituierung von entsprechend merkantilisierten und ästhetisierten Identitäten (S. 15f ). "Unter der belastenden Hypothek des "Selber-Schuld-Seins" vollziehen sich die individualisierten Entscheidungen in der Loslösung von den Dimensionen des Sozialen" (S.28).

Die Autorin schildert mit wissenschaftlicher Akribie den Aufstieg der "Körperwissenschaften". Ihnen liegt ein weitgehend naturwissenschaftlich-reduktionistisches Verständnis des Lebendigen zugrunde ("codierter Leib"). Damit "ebnete diese Forschung unweigerlich den Weg zur Verdinglichung und Vermarktung des Lebens" (S.62). Bewußt provokant nennt Trallori die Träger und Operationalisten dieses Wissens "Biokratie" (S.67). Der Autorin geht es darum, "die Macht hinter den unsichtbare Codes zu problematisieren" (S.76).

Sehr interessant der Abschnitt über "Historische Debatten zu Körper-Sondierungen" (S.101 ff), in dem auch einige AutorInnen des Austromarxismus (Bauer, Tandler...) -zu Recht - ihr Fett abbekommen (S. 142 ff).

Die Autorin unterstreicht den männlichen Charakter der Naturunterwerfungskonzepte. Bruno Bettelheim zitierend heißt es: "Die aggressive  Manipulation der Natur mit Hilfe technischer Erfindungen wurde erst mit der phallischen Psychologie möglich" (S.159).

Ein Jenseits von "Genopoly" sieht die Autorin nur in Verbindung mit der "Abschaffung differenter Kapitalismen" (S.250) - auch wenn das aktuell einer Herkules-Aufgabe gleichkommt.

Ein tolles Buch - UNBEDINGT LESEN!

                                                Hermann Dworczak

 

 

Lisbeth N. Trallori

Der Körper als Ware. Feministische Interventionen. 254 Seiten

Mandelbaum Kritik & Utopie, Wien 2015

Terminkalender

August 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Newsletter