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Vom 7. bis zum 18.Dezember
2009 wird der größte Klimagipfel
stattfinden, den die
Welt je gesehen hat. Zehntausend
Delegierte aus aller Welt und mindestens
ebenso viele Journalisten
werden zum UN-Gipfel nach Kopenhagen
kommen. Er wird als die
letzte Möglichkeit verkauft, auf die
wir hoffen können. Aber die Instrumente,
mit denen bisher versucht
wurde, die Klimaerwärmung
zu stoppen, sind gescheitert.
Trotz Handel mit Emissionszertifikaten,
trotz sog. «Clean Development
Mechanism» (Mechanismen
für umweltverträgliche Entwicklung)
und scheinheiligen
Selbstverpflichtungserklärungen
der Regierungen des Nordens hat
sich die Situation im Vergleich zum
Beginn der Verhandlungen vor
fünfzehn Jahren verschlimmert:
Der jährliche Ausstoß von Treibhausgasen
ist weltweit gestiegen,
nicht gesunken. Überschwemmungen
und Dürre haben an Häufigkeit
und Intensität zugenommen
und führen vor allem in den
Ländern des Südens – den Hauptleidtragenden
des Klimawandels –
schon heute zu Trinkwasserknappheit,
Missernten und Hunger.
Dass die Zunahme der Erderwärmung
auf 2°C begrenzt werden
kann, scheint vielen Wissenschaftlern
mittlerweile kaum noch realistisch.
Eine stärkere Erwärmung
hätte aber unabsehbare Folgen.
Dennoch werden die Verhandlungen
über die Abschlusserklärung
des Kopenhagengipfels so geführt,
als sei nichts. Die Industrieländer
weigern sich, ihrer Verantwortung
als Hauptverursacher des Klimawandels
nachzukommen und den
Ländern des Südens nennenswerte
und kostengünstige Klimaschutztechnologie
bereitzustellen,
oder in einen Hilfsfonds einzuzahlen.
Stattdessen verteilen sie
lieber kostenlos Emissionszertifikate
an die Großkonzerne im Süden.
Damit kann der CO2-Ausstoß
munter fortgesetzt werden, und
die verursachende Industrie verdient
noch daran.
Überall auf der Welt regt sich Widerstand
dagegen. «Ändert das
System, dann rettet ihr das Klima»,
sagt das internationale Aktionsnetzwerk
für Klimagerechtigkeit
(AKG). Im Gegensatz dazu ist die
«Klimaallianz», die sich in der BRD
gegründet hat, gemäßigt und wirbt
anlässlich des Bundestagswahlkampfs
mit Parolen wie «Coole
Jobs für cooles Klima», «Klima liebt
Wirtschaft» und einem Plädoyer
für einen grünen Kapitalismus.
Das internationale Aktionsnetzwerk
zeigt andere Lösungen auf:
«Auf einer Erde mit begrenzten
Ressourcen kann es kein unbegrenztes
Wachstum geben – ob es
sich nun ‹grün› nennt oder nicht.»
Die Umweltgruppen und Bauernbewegungen,
die in dem Netzwerk
zusammengeschlossen sind, setzen
sich deshalb ein für den Abbaustopp
fossiler Energien; für regionale
und demokratische Kontrollen
der Ressourcen; die Reduzierung
der Überkonsumtion, vor
allem in den Ländern des Nordens;
Reparationszahlungen für die Zerstörungen,
die der Klimawandel in
den Ländern des Südens bereits
hervorgerufen hat; den Schutz der
Interessen der indigenen Völker;
die Vergesellschaftung und Dezentralisierung
der Energieversorgung;
eine regionale Versorgung
mit Lebensmitteln.
Was die Konzerne an Energiealternativen
anpreisen, verlagert die
Gefahren nur auf andere Ebenen:
Die Atomlobby will die Klimakrise
nutzen, um ihre gemeingefährliche
– aber profitträchtige – Technologie
anzupreisen. Und für «Biosprit
» wurden in den vergangenen
Jahren weltweit riesige Ackerflächen
geopfert, die nun nicht mehr
für den Anbau von Nahrungsmitteln
zur Verfügung stehen.
Volle Tanks im Norden und leere
Mägen im Süden werden die Folge
sein. Bereits im vergangenen Jahr
stieg die Zahl der Hungernden
weltweit auf eine Milliarde – ein
Sechstel der Menschheit. Demgegenüber
werden die Zerstörungen
der Kolonialära des 19. und 20.
Jahrhunderts verblassen.
Zehn Jahre nach der verhinderten
Konferenz der Welthandelsorganisation
in Seattle ist sicher: die
UN-Klimaschutzkonferenz wird
weder die Klimaerwärmung stoppen,
noch ihre Folgen in den Griff
bekommen.
Deshalb wollen Organisationen
aus der ganzen Welt am 16.Dezember,
wenn Regierungschefs
und Minister in Kopenhagen tagen
werden, den Plenarraum des offiziellen
Gipfels besetzen und in ein
Tribunal der Bewegungen verwandeln.
«Eine andere Welt ist möglich»
lautete vor zehn Jahren das Motto
der Proteste in Seattle. «Eine andere
Welt ist nötig» heißt es heute, wo
die Auswirkungen und Ursachen
des Klimawandels offen zutage getreten
sind. Wer aber vom Kapitalismus
nicht reden will, sollte auch
vom Klimawandel schweigen.
Quelle: ISL-Flugschrift Nr. 11
Weitere Informationen unter: www.klimax2009.org
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