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 Bild: Musiker im Exil.
"Wenn einer singt, schweigen die anderen nicht": Sivan Perwer, kurdischer Musiker im Exil, gastierte mit Willi Resetarits im Burgtheater.
Der "Übersetzer" Sivan Perwer.
So etwas hatte das Burgtheater noch nie erlebt. Mitgerissen von der Musik und der Stimmung auf der Bühne, erhob sich ein Teil des Publikums und verwandelte das Haus in einen schwingenden Tanzpalast. "Schuld" waren DER kurdische Musiker schlechthin, Sivan Perwer, und Willi Resetarits - und deren Musiker. Das war 2003. Seither gab es weitere derartige Kulturgrenzen überschreitende Konzerte, unter anderem eine Donau-Euphrat-Tournee. Am 30.Jänner steigt der nächste Auftritt in Wien, ein völlig neuartiges Konzert.
Perwer und seine Crew spielen gemeinsam mit dem Ensemble Wien Klang, dirigiert von Azis Sadikovic. Dessen 50 in Wien lebende Musikerinnen und Musiker bringen ihrerseits rund ein Dutzend Herkunftskulturen mit. Für die Arrangements zeichnet der in Linz beheimatete kurdische Komponist Dilshad Said verantwortlich. Das Instrumentalensemble wird bereichert von zwei Chören, einem 24-köpfigen aus Wien sowie einem rund einem halben Dutzend SängerInnen aus Kurdistan.
Willi Resetarits, angekündigt als Moderator, wird natürlich "das Konzert auch ein bisschen mittragen".
"Übersetzung" Klassisch kurdisch - kurdisch klassisch" heißt dieses Konzert. Dabei will der Bauer von Musik- und Kulturbrücken Perwer eine neue schlagen - zwischen asiatischer und europäischer, wie er dem KURIER in einem Gespräch zwei Wochen vor dem Konzert erläuterte. "Dieses Konzert soll aber nicht nur ein Mix dieser verschiedenen Stile werden. Das Wiener Ensemble arbeitet an einer Übersetzung unserer Lieder und Melodien in ein klassisches Orchester. Es ist der Beginn einer Neuheit."
Eine künstlerische Integrationsfigur
Sivan Perver - das ist der kurdische Musiker schlechthin. Anerkannt und beliebt von allen Kurden, ob aus der Türkei, dem Irak, Syrien, dem Iran... eine künstlerische Integrationsfigur für die rund 45 Millionen Kurdinnen und Kurden. Er selbst lebt - in der Welt - im Exil, in Bonn und Paris, davor jahrelang im schwedischen Uppsala, in England und in den USA.
Vom Untergrund...
Vor Jahrzehnten wurden Kassetten mit seiner Musik unter der Hand von Hand zu Hand weitergegeben und kopiert. Wie heute die iranische Opposition ihre Nachrichten via Twitter und Facebook verbreitet, so funktionierte in der Türkei, wo die kurdische Sprache absolut verboten war, dieser kulturelle Widerstand in der alten Technologie. Perwer besingt in seinen Lieder einfühlsam und stimm(ungs)gewaltig nicht nur allgemein Gefühle wie Liebe, Trauer usw., sondern auch Fassungslosigkeit und Wut über das Leid seines Volkes. Etwa in Halabdja (Giftgasangriff auf die vor allem von KurdInnen bewohnte Stadt im Irak).
Der politische Widerstand einerseits und die Bestrebungen der offiziellen Türkei, sich zur EU hin zu öffnen, bereiten den Boden auf, dass Sivan Perwer mittlerweile überhaupt nur mit dem Gedanken spielen kann, in sein Geburtsland zurück zu kehren.
Promis
Für den Abend im Wiener Konzerthaus haben sich neben Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer auch kurdische Politiker aus der Türkei (und dem Irak) angesagt, die mit einem Verbot zur politischen Betätigung belegt sind, aber ebenso führende Vertreter der regierenden AKP aus der Türkei.
30.Jänner, 19.30Uhr
Konzerthaus
Großer Saal
Lothringerstraße 20
1030 Wien
Karten: 25-55¤
(01)242 002
Quelle: Kurier
Links
www.konzerthaus.at (extern)
www.ensemblewienklang.at
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