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  • ASF-Jugendforum Großraum Leoben. Positionspapier (Diskussionsgrundlage)  

    AktuellesEin Vorbereitungstreffen des Jugendforum für den Großraum Leoben findet am Freitag, 12.Februar, 17 Uhr AK/ ÖGB-Gebäude, 2. Stock, Ignaz-Buchmüller-Platz 2, Leoben, statt.

    Betreff: Diskussionspapier zum geplanten Jugendprojekt des ASF

    Liebe TeilnehmerInnen und InteressentInnen am Jugendprojekt!

    Anbei senden wir ein Diskussionpapier über unser geplantes Jugendprojekt, das im Rahmen des Österreichischen Sozialforums vom 13. - 16. Mai in Leoben stattfinden soll.

    Es dient zum einen als Zusammenfassung des Treffens vom 15. 1. in Leoben, als auch als Grundlage für weitere Diskussionen, insbesondere für das nächste Treffen am 12. Februar.

    Wir danken allen InteressentInnen herzlichst und verbleiben

    mit freundlichen Grüßen

    Federico Mahrer
    Eva Hruby

    Positionspapier zum Jugendprojekt Leoben des Österreichischen Sozialforums (ASF) 2010

    Gesellschaftliche Veränderungen gehen seit einigen Jahrzehnten einher mit zunehmenden Unsicherheiten, die u. a. durch strukturelle Arbeitslosigkeit bedingt sind. Dazu kommt das Auseinanderfallen familiärer Strukturen, die oftmals mit zunehmender Perspektivlosigkeit von Kindern und Jugendlichen verbunden sind. Die Scheidungsquote in Österreich beträgt fast 50 %. Die Zahl der Alleinerziehenden liegt bei etwa 16%. Die Situation in Leoben, wie sie uns beim Treffen am 15. Jänner geschildert wurde, ist ähnlich: immer häufiger verhaltensauffällig sind Kinder bereits im Volksschulalter. Damit wird es immer schwieriger, Jugendliche sozial aufzufangen. Alternativinstitutionen wie psychosomatische Einrichtungen oder WG’s für Jugendliche mit schlechten sozialen Startbedingungen reichen oft nicht mehr aus, junge Menschen aus schwierigen Lebensverhältnissen in ein lebenswertes Umfeld einzubinden.

    Diese Entwicklungen haben uns veranlasst, das ASF-Jugendprojekt im Großraum Leoben/Bruck an der Mur zu initiieren, das Schülerinnen und Schülern Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen sollen, wo persönliche wie gesellschaftsbezogene Themen und Problemlagen über verbale und nonverbale Kommunikation bearbeitet werden können, und die Möglichkeiten bieten sollen, persönliche Fähigkeiten spielerisch zu entdecken.

    Das Vorhaben orientiert sich an der von Frigga Haug und Ulrike Gschwandtner im Jahre 2006 herausgegebenen Studie „Sternschnuppen – Zukunftserwartungen von Schuljugend“. In Form von Schulaufsätzen mit dem Thema „Ein Tag in meinem Leben in 20 Jahren“ wurden die Schülerinnen und Schüler gebeten, ihre Zukunftsvorstellungen und –erwartungen wiederzugeben. Darin wurden im Jahre 2002 und 2003 knapp 500 Schulaufsätze aus 30 verschiedenen Klassen aus insgesamt 16 Schulen in Ost- und Westdeutschland und in Österreich geschrieben. Die SchülerInnen waren zwischen 12 und 19 Jahren. Die Schultypen wurden bunt ausgewählt: Freie Schulen mit „nicht beschulbaren“ Kindern, eine Sonderschule für „lernbehinderte“ Kinder, Hauptschulen, eine Gesamtschule, sowie Gymnasien und HTL’s.

    Zwei Feststellungen waren dabei markant: zum einen fanden in den Aufsätzen fast durchgehend die gegenwärtigen gesellschaftlichen Problemlagen wie etwa die ökonomischen, politischen und ökologischen Krisen sowie Armut und selbst die strukturelle Arbeitslosigkeit wenig bis gar keinen Niederschlag in den eigenen Zukunftsvorstellungen der SchülerInnen, so als hätten diese Problemlagen mit dem eigenen Schicksal nichts zu tun. Zum anderen imaginierten sich SchülerInnen, deren Eltern LohnarbeiterInnen waren, in ihren Zukunftserwartungen selbst als in diesem Bereich arbeitend, wohingegen Jugendliche aus etwa Gymnasien ihr zukünftiges Berufsleben auch in entsprechend höheren Positionen skizzierten.

    Damit wurden Wohl und Wehe, Glück und Unglück als individuelle und klassendeterminierte Schicksale wahrgenommen, so als gäbe es zwei Welten, von denen die eine der großen Politik angehört, die für den Einzelnen nicht gestaltbar ist, und die andere, die alltägliche, eigene, von erster abgesonderte und von ihr unberührte Welt. Die Autorinnen der Studie betrachten es daher als zentral, eine Brücke zu bauen, die das alltägliche Leben der Einzelnen und die gesellschaftliche Reproduktion in ihrer wechselseitigen Verschränkung zu erkennen ermöglicht. Zum anderen besteht die Notwendigkeit, spezifische soziale Schichtzugehörigkeiten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung aufzubrechen und zu hinterfragen. Diese Relevanz bestätigen nicht nur viele soziologische Studien, sondern auch ein jüngster OECD-Bericht, der vor allem das Nachhinken österreichischer HochschulabsolventInnen in der geringen sozialen Bildungsmobilität verortet. (http://bildungsklick.de/pm/55470/oecd-studie-bildung-auf-einen-blick-2007-oesterreich-wuerde-von-einer-hoeheren-akademikerquote-profitieren).

    Beim letzten Treffen am 15. Jänner wurde vereinbart, das Projekt im Kleinen auf Leoben zu beschränken. Der hohe Anspruch des Projektes richtet sich vor allem an sozialpädagogisch geschulte ProjektleiterInnen, die Erfahrung haben im Umgang mit Jugendlichen, deren gesellschaftliche Startbedingungen denkbar schlecht sind. Dazu gehören auch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und – geschlechtsspezifisch – Mädchen und junge Frauen.

    Mit dem Projekt intendieren wir, individualisierte Wahrnehmungsmuster zu hinterfragen und stattdessen sowohl ein Gefühl de Achtung und Gegenseitigkeit als auch einen angemessenen Umgang mit den eigenen Gefühlen zu entwickeln. Unser Vorhaben soll nicht erzieherisch und schon gar nicht umerzieherisch sein. In dem uns zur Verfügung stehenden, kleinen Rahmen wollen wir den Schülerinnen und Schülern Wahlmöglichkeiten anbieten, die über die scheinbar allgemeingültige Konsum- und Statuskultur hinaus Reflexionsräume schaffen, in denen die eigene Individualität genauso entwickelt werden kann wie der Respekt vor der Einzigartigkeit und Andersartigkeit des „Anderen“. Denn das menschliche Miteinander wird durch komplexe, kulturelle und soziale Prozesse geprägt, die über gegenwärtiges und zukünftiges Wohl und Glück sowohl eines jungen Lebens als auch letztlich der Gesellschaft als Gesamtes entscheiden. Daher wäre es sinnvoll und wünschenswert, dieses Projekt - bei entsprechendenm Jugendinteresse - über das ASF hinaus permanent zu institutionalisieren.

    Homepage des ASF: www.sozialforum.at

     


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